Aktiver Verkauf am Telefon und Face-to-face
Hotellerie Verkaufsförderung Rezeption

Julia Winkler
Beraterin
Innsbruck, Österreich
julia.winkler@kohl-partner.at+43 512 21 43 15+43 664 40 44 858Zum AutorDie Rezeption ist das Herzstück eines Hotels. Hier beginnt und endet die Reise des Gastes. Dennoch wird dieser Bereich in vielen Betrieben noch immer hauptsächlich als organisatorische Schnittstelle betrachtet: Gäste einchecken, der Zimmerschlüssel wird ausgegeben, Fragen beantwortet und Rechnungen erstellt.
Dabei steckt gerade hier enormes Potenzial – sowohl für die Gästezufriedenheit als auch für den wirtschaftlichen Erfolg eines Betriebes.

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Während viel Budget in Online-Marketing, Buchungsplattformen und Werbekampagnen investiert wird, bleibt ein entscheidender Vertriebskanal häufig ungenutzt: der persönliche Kontakt mit dem Gast.
Kein anderer Mitarbeiter hat während des Aufenthalts so viele direkte Berührungspunkte mit Gästen wie das Rezeptionsteam. Diese Gespräche schaffen Vertrauen und bieten die ideale Grundlage, um Bedürfnisse zu erkennen und passende Angebote zu platzieren.
Dabei geht es nicht darum, Gästen etwas „zu verkaufen“. Es geht vielmehr darum, Mehrwert zu schaffen und eine Bedarfsanalyse zu schaffen.
Ein Gast, der nach Ausflugsmöglichkeiten fragt, freut sich möglicherweise über ein attraktives Aktivprogramm. Eine Familie mit Kindern profitiert von Empfehlungen für regionale Attraktionen. Ein Paar auf Kurzurlaub könnte sich über ein Upgrade, einen Spa-Termin oder ein romantisches Dinner freuen.
Wer die Wünsche seiner Gäste erkennt, kann passende Angebote vermitteln – und gleichzeitig zusätzliche Umsätze generieren.
Die Erwartungen der Gäste haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Standardisierte Informationen sind jederzeit online verfügbar. Was Gäste heute suchen, sind persönliche Empfehlungen, individuelle Beratung und authentische Gastgeber.
Gerade deshalb gewinnt die Rolle der Rezeption zunehmend an Bedeutung.
Gäste möchten nicht einfach nur abgefertigt werden. Sie möchten das Gefühl haben, willkommen zu sein und verstanden zu werden. Ein kurzer persönlicher Austausch kann dabei oft mehr bewirken als jede digitale Marketingmaßnahme.
Die Rezeption entwickelt sich damit von einer Verwaltungsstelle zu einem Ort der Beratung, Inspiration und Beziehungspflege.
Erfolgreicher Vertrieb an der Rezeption hat wenig mit klassischen Verkaufstechniken zu tun.
Viel wichtiger ist die Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören und die richtigen Fragen zu stellen:
Wer diese Informationen erkennt, kann gezielt Empfehlungen aussprechen, die tatsächlich relevant sind.
Ein Beispiel:
Fragt ein Gast nach Wanderwegen, kann die Rezeption nicht nur Kartenmaterial bereitstellen, sondern auch auf geführte Touren, Verleihangebote oder regionale Erlebnispakete hinweisen.
Die Empfehlung wird dadurch als Service wahrgenommen – nicht als Verkaufsversuch.
Viele Betriebe konzentrieren sich beim Thema Vertrieb ausschließlich auf Zimmerverkauf und Direktbuchungen. Dabei entstehen zahlreiche Umsatzchancen erst während des Aufenthalts.
Mögliche Ansatzpunkte sind:
Entscheidend ist, dass diese Angebote aktiv und situationsgerecht kommuniziert werden.
Denn was Gäste nicht kennen, können sie auch nicht buchen.
Die Zukunft der Rezeption liegt nicht allein in digitalen Check-in-Systemen oder automatisierten Prozessen. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt wird der persönliche Kontakt zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Hier gilt es nun auch zu punkten und den entscheidenden Unterschied zu machen.
Betriebe, die ihre Rezeption als aktiven Teil ihrer Vertriebsstrategie verstehen, schaffen gleich mehrere Vorteile: höhere Gästezufriedenheit, stärkere Kundenbindung und zusätzliche Umsätze.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob die Rezeption verkauft, sondern ob sie ihr Potenzial bereits ausschöpft.
Beobachten Sie in Ihrem Betrieb eine Woche lang die Gespräche an der Rezeption. Wie oft werden individuelle Empfehlungen ausgesprochen? Wie häufig werden Zusatzleistungen aktiv angeboten?
Die Antworten liefern oft wertvolle Hinweise auf ungenutzte Chancen – und zeigen, wie viel Vertriebspotenzial bereits direkt vor der Hoteltür steht.
1. Den Gast kennenlernen statt Angebote aufzuzählen
Wer die Bedürfnisse des Gastes kennt, kann gezielt passende Empfehlungen aussprechen. Offene Fragen sind dabei oft wirkungsvoller als standardisierte Verkaufsgespräche.
2. Zusatzleistungen aktiv sichtbar machen
Viele Gäste wissen gar nicht, welche Angebote im Haus oder in der Region verfügbar sind. Klare Informationen, attraktive Präsentationen und persönliche Empfehlungen erhöhen die Buchungswahrscheinlichkeit deutlich.
3. Den richtigen Zeitpunkt nutzen
Ein Upgrade beim Check-in, eine Spa-Empfehlung nach einer Wanderung oder ein Late Check-out am Abreisetag – erfolgreiche Empfehlungen orientieren sich am aktuellen Bedarf des Gastes.
4. Mitarbeitende regelmäßig schulen
Produktwissen, Kommunikationstechniken und Kenntnisse über regionale Angebote schaffen Sicherheit im Gästekontakt und erhöhen die Beratungsqualität.
5. Erfolg messbar machen
Erfassen Sie regelmäßig Kennzahlen wie Upgrade-Quoten, Zusatzverkäufe oder vermittelte Aktivitäten. So wird sichtbar, welche Maßnahmen funktionieren und wo weiteres Potenzial besteht.