Besucherbefragung im Tourismus: Strategie statt Bauchgefühl

Destination
Besucherbefragung im Tourismus: Strategie statt Bauchgefühl
Destination Kommunikation

Jana Große Hokamp, MA
Beraterin
Stuttgart, Deutschland
jana.grossehokamp@kohl-partner.eu+49 7171 9477011Zum AutorWas leistet der Tourismus eigentlich für Ihre Region? Können Sie die konkreten Effekte benennen – und auch überzeugend belegen? Häufig wird versucht, mit Zahlen Anerkennung für die Branche zur gewinnen – durchaus beeindruckend, aber nicht immer wirkungsvoll. Wie also kann die Bedeutung des Tourismus über KPIs hinaus veranschaulicht und überzeugend in die Region getragen und die Wertschätzung für den Tourismus gesteigert werden?
Diesen Fragen widmete sich Jana Große Hokamp beim Kohl > Partner PraxisTalk am 17. März 2025 mit Ihren Gästen.
Lena Helleisz, Beraterin bei Kohl > Partner Stuttgart, setzte mit ihrem Impuls den Rahmen: Welchen Herausforderungen der Tourismus in der Kommunikation für mehr Wertschätzung und Anerkennung gegenübersteht – und welche Handlungsoptionen es gibt: Von der Datenaufbereitung über Präsenz in verschiedenen Gremien hin zur Szenarienentwicklung „Was würde eigentlich ohne Tourismus passieren?“. Auch konkrete Kommunikationsmaßnahmen wie Fact Sheets, Podcasts, Bürgerdialoge oder einen „Tag der offenen Tourismus-Türen“ gab sie den Zuhörern mit auf den Weg.
Ergänzt werden diese praktischen Ideen durch eine Blitzumfrage unter den Teilnehmern, die noch folgende eigene Erfahrungen einbringen:

Welche Maßnahmen bereits in Destinationen durchgeführt werden und welche Effekte diese haben, wurde im Anschluss von den drei Referenten gezeigt:
Wiebke Meyer, Geschäftsführerin Alpenregion Bludenz Tourismus GmbH
In Zusammenarbeit mit Kohl > Partner wurde für die Alpenregion eine Wertschöpfungs- und Wertschätzungsstudie durchgeführt. Die Studie belegt den wirtschaftlichen Beitrag des Tourismus und liefert datenbasierte Ergebnisse, die zeigen, wie er die Gemeinden stärkt. Die Präsentation der Ergebnisse weckte ein starkes Interesse, insbesondere bei den politischen Vertreter:innen, und bildete die Grundlage für faktenbasierte Diskussionen über den Wert des Tourismus in der Region. Auf Basis dieser Analyse wurde ein Kommunikationskonzept entwickelt, das durch gezielte Maßnahmen die Innenwahrnehmung des Tourismus stärkt, das Vertrauen der Bevölkerung erhöht und die Bedeutung des Tourismus in der politischen Entscheidungsfindung verankert. Das Projekt versteht sich als Pilot Ansatz und kann in den kommenden Jahren auf weitere Täler und Orte übertragen werden.
Sebastian Gries, Tourismusreferent Landratsamt Ostallgäu
Tourismusakzeptanz wird für das Ostallgäu nicht als Begleitthema gesehen, sondern bereits seit 2020 als strategischer Erfolgsfaktor. Das Credo im Ostallgäu: Der Tourismus dient zuallererst den Menschen in der Region. Gemeinsam mit dem Landkreis, dem Tourismusverband und den Gemeinden wurde ein langfristiger Ansatz entwickelt, um die Akzeptanz zu steigern. Dieses Ziel wird dabei durch das aktive Einbinden von Einheimischen und lokalen Stakeholdern erreicht. Im Ostallgäu zeigen konkrete Maßnahmen, etwa das Magazin „WIR im Ostallgäu“ oder die Sensibilisierungskampagne „Dein Freiraum. Mein Lebensraum“, bereits Erfolge: Durch gezielte interne Kommunikation werden Sichtbarkeit und Nutzen für die Bevölkerung erhöht. Damit diese Erfolge nachhaltig sind, bedarf es jedoch einer klaren strategischen Verankerung, die sichtbare Vorteile für die Einheimischen schafft und messbare Ergebnisse liefert.
Mathias Schattleitner, Geschäftsführung Tourismusverband Schladming-Dachstein
Einen breiten Ansatz verfolgt der Tourismusverband Schladming-Dachstein, der nicht nur touristische Stakeholder berücksichtigt, sondern auch andere Branchen, z.B. Handwerk oder die Landwirtschaft, aber auch „Senior Talents“ als Mentoren auf dem Arbeitsmarkt. Diese Gruppen werden durch direkte Austauschformate, z.B. bei einem Wirtschaftsabend, angesprochen. Wichtig dabei: Jede Gruppe braucht dabei ihre eigene Geschichte, warum Tourismus für sie relevant ist, weshalb verschiedene und individuelle Ansätze notwendig sind. Die Maßnahmen müssen einen klaren Mehrwert aufzeigen, wodurch Multiplikatoren und Fürsprecher gewonnen werden können. Finanzielle Mittel und Ausdauer sind dabei Voraussetzung, dennoch gibt es viele Ansatzpunkte, um einfach zu starten.
Alle Beispiele und der Impuls zeigen, dass Kommunikation wichtig ist allerdings nicht allein das Bewusstsein für die Tourismusrelevanz steigern kann, sondern dass es Argumente, ein Netzwerk zur Zusammenarbeit und die individuellen Anker für unterschiedliche Zielgruppen benötigt. Es müssen konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, um auch Ergebnisse sichtbar zu machen.
Kohl > Partner hat den „360° Value Check“ als Analysetool entwickelt, um über die klassische Wertschöpfung hinaus die Auswirkung des Tourismus auf die Lebens- und Freizeitqualität sowie die Wahrnehmung des Tourismus vor Ort sichtbar zu machen. Ansprechpartnerin bei Fragen ist Lena Helleisz.
Die Folien des PraxisTalks finden Sie, inklusive der Unterstützungsmöglichkeiten durch Kohl > Partner, hier: