Destination  Produkt- & Erlebnisraumentwicklung  Strategie 

Erstellt: 22.06.2026
uservon Stephanie Zorn
MA Stephanie Zorn

Stephanie Zorn, MA

Beraterin

Villach, Österreich

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Wie viel Struktur braucht wirksame Partizipation?

Beteiligung ist in der Tourismuspraxis angekommen. Kaum eine Destinationsstrategie kommt heute ohne sie aus, kaum ein Lebensraumprozess startet ohne Werkstatt, Zukunftsdialog oder Bürgerforum. Das ist gut so – denn die großen Themen unserer Regionen lassen sich nicht mehr im stillen Kämmerlein lösen. Ob Mobilität, Energie, Biodiversität oder Lebensqualität: Sie betreffen den gesamten Lebensraum und damit alle, die in ihm leben, arbeiten und Gäste empfangen.

Team Plateau

Doch zwischen dem Anspruch „Alle dürfen mitreden" und dem Ergebnis „Am Ende bewegt sich nichts" liegt oft nur ein schmaler Grat. Viele Beteiligungsformate enden mit einer langen Wunschliste, die in der Schublade verschwindet – und hinterlassen bei den Beteiligten genau das Gefühl, das sie eigentlich auflösen sollten: dass sich Engagement nicht lohnt. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir beteiligen, sondern wie: Wie viel Struktur braucht Partizipation, damit sie nicht im Chaos erstickt – und bleibt zugleich genug Freiraum, damit überhaupt etwas Neues entstehen kann?

Vom Ideen sammeln zum Tun

Echte Partizipation ist mehr als das Einsammeln von Ideen. Sie muss ins Tun kommen, um etwas zu bewegen. Diese Betonung auf das Arbeiten klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis aber noch zu selten. Denn ein offener Ideenabend ist schnell organisiert. Schwieriger – und entscheidend – ist die Frage, was mit den Ergebnissen danach passiert.

Wie das gelingen kann, zeigt der Prozess „Team Plateau" in der Region Seefeld, eine der österreichischen Vorreiterregionen in Sachen Nachhaltigkeit. Bei der Auftaktveranstaltung im Oktober 2025 kamen rund 80 Teilnehmer:innen zusammen, um entlang von fünf Handlungsfeldern – von nachhaltiger Mobilität über Energie und Biodiversität bis zu Erholungsraum und regionaler Landwirtschaft – konkrete Projekte für das gesamte Plateau zu entwickeln. Die klare Ansage an alle im Raum: Das Ergebnis soll keine Wunschliste werden. Gesucht waren startfähige Zukunftsprojekte mit echtem Mehrwert.

Aus der Begleitung dieses und vergleichbarer Lebensraumprozesse lassen sich vier Ansatzpunkte ableiten, mit denen aus Beteiligung Wirkung wird – übertragbar auf jede Destination, die gemeinde- und branchenübergreifend an ihrem Lebensraum arbeiten will.

Vier Ansatzpunkte für wirksame Beteiligung

  • arrowboldHandlungsfelder als Wirkungsraum abstecken. Bevor die erste Idee auf dem Tisch liegt, braucht es einen Rahmen. Definieren Sie klare Handlungsfelder – und bauen Sie diese bewusst auf bestehenden strategischen Grundlagen auf. Etwa der Nachhaltigkeitsstrategie des Tourismusverbandes oder den Maßnahmen einer Klima- und Energie-Modellregion (KEM). Der Vorteil liegt auf der Hand: In diesen Feldern gibt es vor Ort bereits Ressourcen, Kompetenzen und Verantwortliche. Aufkommende Projekte fallen also nicht ins Leere, sondern treffen auf Strukturen, die sie tragen können. So vermeiden Sie das häufigste Scheitern von Beteiligungsprozessen – dass gute Ideen mangels Zuständigkeit verpuffen.
  • arrowboldEinen offenen Themenspeicher einrichten. So wichtig der Rahmen ist – er darf nicht zum Korsett werden. Richten Sie deshalb parallel einen offenen Themenspeicher ein, in dem auch Anliegen außerhalb der vorgegebenen Handlungsfelder Platz finden. Das hat einen doppelten Nutzen: Erstens werden blinde Flecken sichtbar – Themen, die in der Strategie bislang fehlten. Zweitens entsteht ein Raum, in dem sich alle gehört fühlen, auch mit Ideen, die (noch) nicht ins Schema passen. Hier liegt die eigentliche Balance aus Struktur und Freiheit: Sie geben Orientierung, ohne Stimmen abzuwürgen.
  • arrowboldKonkret werden – und ehrlich filtern. Breite Beteiligung ist wertvoll, ersetzt aber keine fachliche Einordnung. Bewährt hat sich ein zweistufiges Vorgehen. Sorgen Sie zunächst dafür, dass Ideen konkret und greifbar werden – eine einfache, aber wirksame Spielregel lautet „eine Idee, ein Kärtchen". Lassen Sie die Teilnehmenden anschließend selbst priorisieren, welche Projekte aus ihrer Sicht das größte Potenzial haben. Im zweiten Schritt prüft ein Kernteam – in Seefeld der Tourismusverband gemeinsam mit der KEM und dem Beraterteam – jede Idee zusätzlich auf Umsetzbarkeit, Zeithorizont und strategische Passung. Daraus ergibt sich eine ehrliche Bewertungsampel: Starter-Projekte (hohe Wichtigkeit, schnell umsetzbar), Weitblick-Projekte (wichtig, aber mit größerem Planungshorizont), ein Ideenspeicher für später – und, ja, auch eine Kategorie für das, was sich aus rechtlichen oder fachlichen Gründen nicht umsetzen lässt. Gerade diese Transparenz ist Gold wert: Wer offen kommuniziert, warum eine Idee (noch) nicht geht, nimmt Beteiligung ernst. So verbinden Sie die Stärke breiter Partizipation mit der Verlässlichkeit fundierter Einschätzung.
  • arrowboldEine Allianz der Willigen aufbauen. Am Ende sind es nicht Konzepte, die etwas bewegen, sondern die Menschen vor Ort. Identifizieren Sie deshalb Personen, die für ein Thema brennen und bereit sind, über den ersten Ideenfunken hinaus Zeit und Energie zu investieren. Und – mindestens ebenso wichtig – schaffen Sie einen Rahmen, in dem diese Menschen genau dort aktiv werden können, ohne sich durch lauter andere Handlungsfelder kämpfen zu müssen. Eine feste Steuerungsgruppe mit Vertreter:innen aus Gemeinden, Tourismus und Energieregion hält den Prozess danach in Bewegung, legt die nächsten Schritte fest und stößt weitere Werkstätten an. So wird aus einem einmaligen Abend ein dauerhafter Arbeitsprozess.

Struktur ist kein Gegenteil von Offenheit

Wer Beteiligung als bloßes Stimmungsbild begreift, wird enttäuscht. Wer sie hingegen als Arbeitsprozess versteht, erkennt: Struktur ist nicht das Gegenteil von Offenheit – sie ist die Voraussetzung dafür, dass Offenheit wirksam wird. Klare Handlungsfelder, ein offener Themenspeicher, ehrliche Priorisierung und eine engagierte Allianz der Willigen sorgen dafür, dass aus dem vielzitierten „Mitnehmen" der Bevölkerung tatsächlich ein gemeinsames Gestalten wird.

Denn die Logik dahinter ist einfach und gilt für jede Destination: Ein attraktiver Lebensraum für Einheimische ist auch ein attraktiver Arbeitsraum für Mitarbeitende und ein attraktiver Erlebnisraum für Gäste. Wer seine Bevölkerung wirklich beteiligt – mit dem richtigen Maß an Struktur und Freiraum – investiert damit direkt in die Zukunftsfähigkeit der gesamten Region.

Sie möchten in Ihrer Region einen Beteiligungs- oder Lebensraumprozess auf den Weg bringen, der nicht bei der Wunschliste stehen bleibt? Wir begleiten Destinationen von der Handlungsfeld-Architektur über die Moderation bis zur Umsetzungsbegleitung. Melden Sie sich gerne direkt bei Stephanie Zorn.

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