Klare Strategie im Unternehmen

Hotellerie
Klare Strategie im Unternehmen
Hotellerie Strategie Gastronomie

Mag. (FH) Helmut List, MSc
Managing Partner & Geschäftsführer
Innsbruck, Österreich
helmut.list@kohl-partner.at+43 512 21 43 15+43 664 8588694Zum AutorDie klassische Halbpension steht unter Druck. Mitarbeitermangel, steigende Wareneinsätze, ein verändertes Gästeverhalten und Buchungsplattformen zwingen Hoteliers im Alpenraum zum Umdenken. Doch wer glaubt, mit einer radikalen Umstellung auf „Hotel Garni" alle Probleme zu lösen, greift zu kurz. Die Erfahrung von Kohl > Partner zeigt: Erfolgreiche F&B-Transformation ist kein Streichen, sondern vielmehr das Finden einer maßgeschneiderten Lösung für den eigenen Betrieb und vor allem eine Frage der richtigen Kommunikation.
Die alpine Ferienhotellerie steckt in einem doppelten Dilemma. Die Kosten im F&B-Bereich steigen unaufhörlich. Gleichzeitig werden qualifizierte Küchen- und Servicemitarbeiter zur knapper werdenden Ressource. Auf der anderen Seite des Tisches sitzt ein Gast, der sich verändert hat: internationaler, individueller, weniger bereit, sich an starre Gegebenheiten zu binden.
„Bei uns war das ganz klar: Wir haben immer wieder Schwierigkeiten mit unserem Koch, daher haben wir beschlossen, das Abendrestaurant einfach zuzusperren." — Hotelierin aus dem Kitzbüheler Raum
Diese Reaktion ist verständlich. Und sie ist weit verbreitet. Aber sie ist in den meisten Fällen zu kurz gedacht.
Bevor über strukturelle Modellwechsel nachgedacht wird, lohnt ein nüchterner Blick auf das Optimierungspotenzial innerhalb der bestehenden Halbpension. Viele Betriebe schöpfen dieses noch nicht aus:
Diese Maßnahmen sind für viele Betriebe der erste und richtige Schritt, ohne ein bewährtes Modell vorschnell aufzugeben.
Für Betriebe, bei denen strukturelle Anpassungen unausweichlich sind, existiert zwischen dem klassischen Vollhotel und dem radikalen „Rooms Only" ein breites Spektrum an Möglichkeiten, wie die Kohl > Partner Grafik rund um die Möglichkeiten in der Hotel-Gastronomie zeigt.

Die Bandbreite reicht von All Inclusive und ¾-Pension über Halbpension, À-la-carte-Restaurant und Hotel Garni mit Wochenprogramm bis hin zu Hotel Garni mit Bar Snacks oder Reduktion auf eine kreative Nachmittagsjause. Jedes Modell hat seine Berechtigung. Keines ist per se das Richtige.
Inspirationsbeispiele mit Übertragungspotenzial, die Kohl > Partner in den letzten Jahren beobachtet und analysiert hat:
Hier liegt das größte Risiko und es wird in der Praxis systematisch unterschätzt.
Das Scheitern von F&B-Umstellungen liegt selten in der neuen Konzeptidee. Es liegt in den Erwartungsmustern der Gäste, die über Jahre trainiert wurden. Der Stammgast, der seit 15 Jahren am Mittwochabend den Tafelspitz erwartet, wird ein neues Konzept nicht einfach ausprobieren. Er wird ausbleiben. Und er wird es im Freundeskreis erzählen.
Neue Gastronomiekonzepte brauchen daher nicht nur operative Sorgfalt. Sie brauchen konsequente Kommunikation vor, während und nach der Einführung:
Ein mittelmäßiges Konzept, das konsequent kommuniziert wird, überlebt länger als ein gutes Konzept, das schweigend eingeführt wird.
Bevor Sie die Gastronomie Ihres Hauses grundlegend verändern, braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme. Vier Fragen, die man im Zuge der Gastronomiekonzeption beantworten sollte:
1. Gästebedürfnis: Verbringen unsere Gäste viel Zeit im Haus – wegen Wellness, Ruhe, Lage? Oder haben wir Zielgruppen wie beispielsweise Busgruppen im Haus, die unbedingt eine Verpflegung erfordern? Wenn ja: Ist eine gastronomische Versorgung am Abend für das Gesamterlebnis unverzichtbar?
2. Umfeld-Analyse: Welche realistischen kulinarischen Alternativen hat mein Gast im unmittelbaren Umfeld? Gibt es in Gehdistanz ausreichend Kapazitäten und Vielfalt, auch in der Hochsaison?
3. Infrastruktur: Was gibt meine bestehende Küche, mein Lager, mein Restaurant-Layout operativ und wirtschaftlich her? Bleiben nach der Konzeptumstellung leere und unbespielte Flächen? Ist ein Umbau für das neue Konzept erforderlich oder zielführend?
4. Ressourcen: Welches Konzept können wir mit der tatsächlich verfügbaren Mannschaft langfristig betreiben? Können durch die Umstellung auch tatsächlich Ressourcen eingespart werden oder bringt fehlende Planbarkeit nur mehr Chaos ins System?
„Die klassische Halbpension ist kein generelles Auslaufmodell, aber sie hat ihr Monopol verloren. Wer heute als Hotelier erfolgreich sein will, darf nicht mehr in den Extremen ‚Vollhotel' oder ‚Garni' denken. Die Zukunft gehört flexiblen, zum Haus passenden Kulinarik-Konzepten. Es geht nicht darum, Gastronomie wegzulassen. Es geht darum, sie so zu gestalten, dass sie für das Team machbar, für den Gast ein echtes Erlebnis und für den Betrieb wirtschaftlich tragfähig ist. Und dann: den Mut aufzubringen, das Neue konsequent umzusetzen und zu erklären." — Helmut List, Managing Partner, Kohl > Partner